Bildung ist nicht konsumierbar

Veröffentlicht am 19. April 2018

Wann haben wir damit begonnen, Bildung als ein Konsumgut zu betrachten? An welchem Punkt wurde der Mensch zu einer Ressource? Wann entwickelte sich das Subjekt zu einem Objekt?

Sicher ist es schwer, die Anfänge dieses Netzwerks an Überzeugungen zurückzuverfolgen, doch das es da ist, ist unübersehbar. Ist es deshalb auch wünschenswert? Wollen wir, als Menschen, auch als Ressourcen bezeichnet werden? Ist dies nun die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens? Nämlich der Wirtschaft zu Nutze zu sein?

Ich weiß nicht, wie es anderen bei diesem Gedanken geht, aber in mir sträubt sich alles dagegen. Mein Herz verkrampft sich und mein Magen füllt sich mit Steinen. Alles in mir schreit: das ist nicht richtig! Das bin ich nicht!

Und doch wird es mir von den Strukturen, die unsere Gesellschaft aufgebaut hat, vermittelt. Schon immer haben wir uns selbst in Kategorien eingeteilt. So arbeitet unser Gehirn, so ist unsere Natur. Wir sind Kinder, Eltern, Schüler, Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Kunden, Versicherungszahler usw. Es ist nichts Schlimmes daran, zu kategorisieren. Damit machen wir uns das Leben einfacher. Doch an welchem Punkt ist die Grenze erreicht? Wann führt die Vereinfachung zur Entmenschlichung?

Jeder Wissenschaftler wird mir zustimmen, wenn ich sage, unsere Fähigkeit des lebenslangen Lernens hat uns an die Spitze der Evolution gebracht. Diese Fähigkeit ist es, die uns von den anderen Lebewesen wesentlich abgrenzt. Lebenslanges Lernen ist Teil des Begriffskonstrukts „Bildung“. Wir werden nicht gebildet, wir bilden uns selbst. Wir bilden uns nicht allein durch das Erlernen von Wissen. Lernen ist Teil der Bildung. Bildung entsteht aus der Reflexion des Wissens. Dies geschieht in uns und ist ein höchst individueller Prozess.

Bildquelle: pixabay.com

Ist Bildung konsumierbar? Wir können Wissen konsumieren. Wir können das Wissen, dass uns Lehrer, Professoren usw. anbieten, konsumieren. Der Konsum von Wissen allein macht uns deshalb nicht gebildet. Er macht uns nur wissend. Das Internet ist auch wissend. Ist das Internet auch gebildet?

Anhand der Überschrift dieses Artikels ist meine Antwort auf diese Frage eindeutig. Doch ich möchte es jedem selbst überlassen, sich diese Frage anhand der eigenen Gedanken zu beantworten und dabei tief in sich hinein zu horchen und auch wahrzunehmen, wie es sich anfühlt. Wie fühlt es sich an, wenn man sich selbst als ein Konsumgut bezeichnet?



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